Literatur und Film

Schülerinnen verfilmen Gedicht von Selma Meerbaum – Eisinger

Gedichte erzeugen beim Zuhörer verschiedene Bilder im Kopf. Diese Bilder haben 4 Dresdner Schülerinnen in einem Film dargestellt. Innerhalb des Deutschunterrichts entstand ein Video zum Gedicht “Der Sturm” von Selma Meerbaum-Eisinger, das sich mit der Problematik des “Loslassens” der Eltern von ihren Kindern beschäftigt.

Für alle, dies sich das Gedicht dazu einmal durchlesen möchten, hier der Text:

Der Sturm

Steht ein Rosenstrauch in deinem Garten
und er ist noch gar nicht grün.
Und du kannst es kaum erwarten,
daß die erste Knospe komme, zart und dünn,
und daß sie verkünde neues Leben.
Wartest, wartest voller Angst und Beben,
bis ein Morgen kommt – und sie ist da.

Und sie ist so fein und schlank und hell,
ganz geschlossen noch und kaum gesehn
und du möchtest, daß sie aufbricht, ganz, ganz schnell,
da du weißt, wie rasch die zarten untergehn.
Doch es enteilt eine Tag und es enteilt ein zweiter
und die Himmel werden blauer, werden weiter
und die Knospe bricht nicht auf.

Und du weißt: wenn jetzt ein Frost kommt, stirbt sie,
stirbt und hat das Leben nicht gelebt.
Möchtest gerne helfen und weißt doch nicht wie,
fürchtest sehr, daß nicht ein Wind sich hebt,
der sie dir vom Stamme bricht -
in der Nacht, du schläfst und siehst es nicht,
und sie ist bei tag schon tot.

Kommt dann eine Nacht, und Stürme brausen um dein Haus,
um dein Haus mit den verschloßnen Toren.
Und du bäumst dich auf und willst und willst hinaus
und dir klingt’s wie Wimmern in den Ohren.
Endlich bist du draußen – und du siehst den Rosenstrauch dir an -
Sieh – es ist die Knospe aufgebrochen.
Was die Sonne nicht vermocht in langen Wochen,
hat ein einz’ger Sturm getan.

Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942)

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