Hilfe zur Selbsthilfe: Videoprojekt verdeutlicht Alltagsprobleme behinderter Menschen

16. Mai 2014 Chemnitz, Studio News

Gruppenbild 3Barrierefreiheit ist vielen ein Begriff, aber wie erleben behinderte Menschen ihren Alltag? Wo gibt es noch Probleme bei der Bewältigung von alltäglichen Dingen? Dieser Fragestellung ging der SAEK Chemnitz gemeinsam mit Hörgeschädigten und an Parkinson erkrankten Teilnehmern in einem Pilotprojekt nach. Ziel war es, im Hinblick auf die aktuelle Behindertenrechtskonvention (BRK) eine aktive Gestaltung von Medienbeiträgen von und mit Menschen mit Behinderungen zu realisieren.

Für Susann Riedel, Studioleiterin des SAEK Chemnitz, war es ein ganz besonderes Projekt: „Die monatelange, intensive Arbeit hat auch meinen Blick für die Probleme behinderter Menschen geschärft. Wie kann ich mit Hörgeschädigten kommunizieren? Was passiert, wenn Parkinsonpatienten plötzlich einfrieren?“ Auch im Hinblick auf die Grundlagenvermittlung der Filmproduktion gab es einiges zu beachten: „Für die hörgeschädigten Teilnehmer haben wir viele Erklärungen visualisiert. Und auf die Unterstützung von Angehörigen konnten wir  bei der Technikbedienung für den Parkinsonfilm bauen.“

Als Projektergebnis entstanden zwei Filme, die anlässlich des Selbsthilfetages am 7. Mai in Leipzig vor geladenen Gästen der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe uraufgeführt wurden.

 

Doch bevor es „Film ab“ heißen konnte, galt es auch hier, die Präsentation barrierefrei zu gestalten. Dies gelang zum einem mit einer umfangreichen Induktionsschleife, die im Raum ausgelegt wurde, um Hörgeräteträgern ein besseres akustisches Bild zu ermöglichen. Zum anderen übersetzte eine Schriftdolmetscherin die Beiträge der Vortragenden. Auch die Filme wurden untertitelt gezeigt und im Vorfeld inhaltlich erläutert.

Besonders begeistert war Susann Riedel von der lebhaften Diskussionen, die die Filme ausgelöst haben: „Ich glaube, viele der Betroffenen konnten sich in den Filmen wiedererkennen und verbinden damit die Hoffnung, dass die Gesellschaft aber auch die Politik einen leichteren Zugang finden, sich mit den Problemen behinderter Menschen auseinanderzusetzen.“ Aber auch ganz praktische Fragen wurden an die Projektteams gestellt: Wie umfangreich muss ein Drehbuch sein? Wie gelingt es, Drehgenehmigungen einzuholen? Wie lange dauert die Produktion eines Kurzfilms? Durch diese intensiven Gespräche sollen weitere Selbsthilfegruppen angeregt werden, selbst aktiv zu werden. „Wir wollen den Betroffenen die  Ängste und Sorgen im Bezug auf den Umgang mit den Medien nehmen, so dass auch sie ein aktives Mitglied in unserer Gesellschaft bleiben und sich und ihre Probleme artikulieren können“; resümiert die Studioleiterin.

Zu sehen sind die Videos unter anderem auch auf unserem Youtube-Kanal unter https://www.youtube.com/watch?v=9qvSmimf4qo&feature=youtu.be.

 

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